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VHS Osnabrück

Aktivitäten: Mehr (als) Schreiben – Ein Krimi-Projekt

(Astrid Dinter)

Einführung

Können Lese- und Schreibungewohnte ein Buch schreiben? Ich war eher skeptisch, als die Kursleiterin eines schreibbegeisterten Lese- und Schreibkurses an der VHS Osnabrück 2015 mit diesem Ansinnen an mich herantrat. Da das RGZ Osnabrück aber gerade nach einem weiteren inhaltlichen Schwerpunkt für die nächste Förderperiode suchte, ließ ich mich auf das Abenteuer ein.  Schließlich hatte der Kurs bereits zwei Preise beim Schreibwettbewerb des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung gewonnen, und die Kursleiterin war sehr erfahren in der Textarbeit mit dieser lese- und schreibungewohnten Gruppe. Begleitet werden sollte dieses Projekt von einer Kunstpädagogin und Studierenden der Hochschule Osnabrück- Institut für Kommunikationsmanagement auf dem Campus Lingen, die als Semesterarbeit bei ihrer Professorin eine Webseite zur Alphabetisierung erstellen sollten. Dazu wollten wir sie für das Thema Alphabetisierung sensibilisieren.

Voraussetzungen schaffen!

Der Grundkurs Lesen und Schreiben, in dem der Krimi erarbeitet werden sollte, war fester Bestandteil des Alphabetisierungs-Angebotes an der VHS Osnabrück. Acht Personen - fünf Männer und drei Frauen - nahmen an dem Kurs teil, der mit 6 Unterrichtsstunden zweimal in der Woche stattfand. Die zusätzlichen Kosten für die Künstlerin und die Koordination zwischen Teilnehmenden, VHS, Kunstpädagogin und Hochschule wurden vom RGZ übernommen. Die Kursleiterin erhielt für ihre Koordinierungsarbeit einen Werkvertrag, zunächst für ein, später für ein zweites Jahr – ebenso die Künstlerin.

Die ersten Vorgespräche mit der Hochschule liefen vor Projektbeginn, um die Rahmenbedingungen für das Projekt abzustecken. Im Januar 2016 konnte das Projekt dann starten.

Umsetzen!

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen wollten einen futuristischen Krimi mit dem Titel „Osnabrück wird dunkel“ schreiben. Darin sollte es um Leuchtbuchstaben gehen, die von Osnabrücker Werbetafeln verschwinden. Der Diebstahl von Buchstaben führte dazu, dass es in der ganzen Stadt dunkel wurde. Diese Idee war schnell gefunden. Die Umsetzung gestaltete sich aber weitaus aufwändiger als gedacht, zumal das Verfassen des Textes und die Arbeit mit den Studierenden parallel verliefen.

Die Kursleiterin arbeitete mit den Teilnehmenden in verschiedenen Phasen. Dazu gehörte:

  • das Finden von Handlungsorten
  • das Schreiben von kleinen Texten
  • Exkursionen, die durch Fotos festgehalten wurden, und
  • das Arbeiten mit Textbausteinen, die schließlich zu einzelnen Kapiteln führten.

Da die Zeit im Lese- und Schreibkurs nicht ausreichte, bot die Kursleiterin zusätzliche Schreib- und Exkursionswochenenden an, denn das Buch sollte im Februar 2017 fertig sein.

Im Sommer 2016 kam die Kunstpädagogin hinzu. Das entspannte die textlastige Arbeit. Zu Beginn des Wintersemesters 2016 nahmen auch die Studierenden ihre Arbeit im Alphabetisierungsprojekt auf. Am 17.10.16 fand ein 1. Arbeitstreffen am Campus Lingen statt. 28 Studierende erhielten eine Einführung in das Thema Alphabetisierung. Insbesondere wurde das RGZ Osnabrück, das Alpha-Angebot an der VHS Osnabrück sowie das aktuelle Krimi-Projekt vorgestellt. Die Studierenden erklärten sich bereit, am Layout für das Buch mitzuwirken, die Pressearbeit zu übernehmen und eine Website für die Alphabetisierung an der VHS Osnabrück zu erstellen.

Nun begann eine sehr hektische und zeitaufwändige Phase. Es gab etliche Treffen mit den Studierenden und den Krimi-AutorInnen an der VHS Osnabrück. Langsam wurde deutlich, dass verschiedene Zielsetzungen aufeinanderprallten. Die Studierenden standen unter Erfolgsdruck und brauchten für ihre Arbeit möglichst viel Medieneinsatz. Dazu gehörte auch das Filmen. Dem stand der Schutz und die Anonymität der Kurs-Teilnehmenden gegenüber. Erst nach einigem harten Ringen wurde eine praktikable Lösung gefunden, so dass die Studierenden einen guten Teaser für die Webseite abliefern konnten, die beiden Krimi-Autoren, die bereit waren, daran mitzuwirken, aber nicht zu erkennen waren.

Im Januar 2017 war die Zusammenarbeit mit den Studierenden beendet. Am 10.1.17 präsentierten sie die Webseite als Abschlussarbeit ihres Projekts auf dem Campus Lingen. Dabei kamen verschiedene Medien zum Einsatz wie Grafiken, Fotos, Filmmaterial und eine eigens komponierte Musik. Die Webseite www.lesenlernen-in-osnabrueck.info – leider inzwischen nicht mehr erreichbar – hatte folgende Bausteine:

  • eine mit einer farbenfrohen Zeichnung gestaltete Startseite
  • einen mit Musik unterlegten Filmteaser
  • unser Angebot und die Ansprechpartnerinnen
  • Teilnehmer-Interviews
  • Experten-Interviews
  • die Vorstellung des Krimis
  • Pressetexte zur Vermarktung des Krimis
  • den gefilmten Weg zur VHS

Bis auf die Pressetexte sind alle Texte in verständlicher Sprache verfasst und werden zum großen Teil vorgelesen.

Im Juni 2017 wurde die Webseite in einer Pressekonferenz zusammen mit der Kursleiterin, den Krimi-AutorInnen, der Hochschulprofessorin und einigen Studierenden an die VHS Osnabrück übergeben. Die Neue Osnabrücker Zeitung und die Osnabrücker Nachrichten berichteten darüber.

Inzwischen wurde die Textarbeit am Krimi immer mühseliger. Einige Teilnehmende mussten aus privaten Gründen aufhören, neue Personen konnten nicht in das laufende Projekt aufgenommen werden, so dass die verbleibenden TeilnehmerInnen das Buch zu Ende schreiben mussten. Die Kursleiterin hat viel Zeit, Energie und Kraft in dieses Projekt gesteckt, damit das Buch zu einem fristgerechten Abschluss kam. Der Krimi sollte am Welt-Alphabetisierungstag, dem 8. September 2017, auf dem gemeinsamen Aktionstag der Netzwerkpartner Alphabetisierung und Grundbildung an der VHS Osnabrück vorgestellt werden. Es klappte auf den letzten Drücker und war mit unglaublich viel Stress verbunden. Schließlich lag das Buch in einem Mehrfarbdruck mit wunderschönen Zeichnungen und Fotos in einer Auflage von 500 Exemplaren - finanziert durch das RGZ – rechtzeitig zum Aktionstag vor. Als die Kursleiterin Auszüge des Krimis vorlas und über 100 Gäste am Schluss das Buch signiert haben wollten, konnten die Krimi-AutorInnen sehr stolz auf ihr Werk sein. Berichtet haben auch hier die Neue Osnabrücker Zeitung und der NDR-Hörfunk. Zu diesem Zeitpunkt waren die AutorInnen aber schon sehr pressemüde.

Perspektiven!

Rückblickend war es ein Projekt mit vielen Höhen und Tiefen, das so nicht zur Nachahmung empfohlen ist. Der Anspruch, ein ganzes Buch zu schreiben, war selbst für erfahrene TeilnehmerInnen zu hoch. Die Zeitspanne über anderthalb Jahre war dafür einfach zu lang. Empfehlenswert dagegen ist das Schreiben einer Kurzgeschichte in einem überschaubaren Zeitraum. Die Einbeziehung von Illustrationen und Fotomaterial kann die Teilnehmenden dabei sehr motivieren.

Ein Gewinn war auch die Zusammenarbeit mit der Hochschule, vor allem das Aufeinandertreffen von Studierenden und Teilnehmenden der Kurse Lesen und Schreiben. So ein Projekt erfordert allerdings viel Flexibilität und ein hohes Zeitkontingent für die KoordinatorInnen.

Damit Sie neugierig auf den Krimi werden, hier eine kleine Leseprobe:

Was hinter dir ist, ist für´n Arsch.
Was vor dir liegt, weißt du nicht.
Aber du kannst es, wenn du etwas Glück hast, beeinflussen.
Mittendrin bist du voll im Schlamassel.
Und da sind wir jetzt. Mittendrin, und zwar richtig.
Man kann es sicher besser ausdrücken, aber das ändert nichts an der Tatsache.
Es ist eher schlimmer.
Um genau zu sein, wir stecken ganz schön tief in der Scheiße.
Wir können aufgeben.
Oder wir finden eine Möglichkeit rauszukommen.“

Take home messages

Folgende Tipps und Tricks sind wichtig, um ein Buch- oder Geschichtenprojekt zu realisieren:

  1. 1vertraute Kursgruppe mit Schreiberfahrung auswählen
  2. Zeitrahmen eingrenzen
  3. mit einer kleinen Geschichte beginnen
  4. Teilnehmer nicht überfordern
  5. Anreize für das Schreiben bieten (z.B. Exkursionen, Fotos machen, Illustrationen erstellen)
  6. Schreiben und Vermarktung der Geschichte trennen
  7. Erstellung einer Webseite durch Studierende nur anhand der Biographien von Teilnehmenden entwickeln
  8. Öffentlichkeitsarbeit vorher mit den Teilnehmenden gut ausloten!

Der Krimi „Osnabrück wird dunkel“ wurde in der 7. Förderperiode bis auf 30 Exemplare, die in der Alpha-Bibliothek der VHS Osnabrück verbleiben sollen, vermarktet. AbnehmerInnen waren u.a. Mitglieder des Netzwerkes Alphabetisierung und Teilnehmende der VHS Osnabrücker Land. Weitere Krimis wurden an interessierte Alpha-Kurse in der Region in Kursstärke vergeben. Die Bücher wurden zudem ausgelegt im öffentlichen Bücherregal der VHS sowie in der Bibliothek Osnabrück. Hier wurden die meisten Krimis kostenfrei vertrieben.

 

RGZ Osnabrück, August 2019, Update August 2025

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Kontakt

Regionales Grundbildungszentrum Osnabrück an der Volkshochschule der Stadt Osnabrück GmbH
Bergstraße 8, 49076 Osnabrück

Mariana Helmke
Programmbereichsleitung Zweiter Bildungsweg | Grundbildung 
Tel.: 05 41 / 323 – 3096
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