Regionales Grundbildungszentrum Oldenburg an der Volkshochschule Oldenburg e.V.

Aktivitäten: Family Literacy als aufsuchende Bildungsarbeit

Die Familie gilt als einflussreichste Instanz für den Erwerb der Schriftsprache. Besonders in den ersten Lebensjahren ist es für Kinder wichtig, schriftliche Medien als selbstverständliche Elemente des familiären Alltags zu erleben und positive Erfahrungen mit Schrift in der Familie zu machen.


Family Literacy ist ein generationsübergreifender Ansatz zur Förderung literaler Kompetenzen in der Familie und gilt als hochwirksame präventive Maßnahme gegen Analphabetismus. Family Literacy-Projekte bringen Schriftkultur in Familien. Eltern bekommen Informationen und Materialien, um schriftbezogene Aktivitäten in der Familie umzusetzen und ihren Kindern positive Erfahrungen mit Büchern, Buchstaben und Schrift zu ermöglichen. Sie werden ermutigt, sich diese Aufgabe zuzutrauen, auch wenn sie selbst noch Schwierigkeiten mit Sprache oder Schrift haben.


Viele Studien belegen die hohe Wirksamkeit solcher Angebote in Bezug auf den Lernerfolg der Kinder und die Weiterbildungsquote der Eltern. Die VHS Oldenburg entwickelt im Rahmen des Regionalen Grundbildungszentrums (RGZ) seit 2012 Family Literacy-Konzepte und Lernmaterialien.


Von September 2012 bis Dezember 2013 wurde ein Family Literacy-Projekt in Zusammenarbeit mit dem Kindergarten Großer Kuhlenweg bzw. dem Kulturzentrum Rennplatz in Oldenburg umgesetzt. Der Kurs „Lernen in der Familie" wurde niedrigschwellig angeboten (kostenlos, wohnortnah und lebensweltorientiert). Im Kurs wurden Fähigkeiten der Eltern aufgebaut und gestärkt, um ihren Kindern vielfältige Erfahrungen mit Schrift im familiären Alltag zu ermöglichen und sie gut auf die Schule vorzubereiten. Die Eltern wurden unterstützt, beginnende Literalität bei ihrem Kind zu erkennen und zu fördern. Die Teilnehmerinnen waren überwiegend Frauen mit schwierigen Bildungsbiografien und leben in sozialen und emotionalen Problemlagen. Alle Mütter wurden durch persönliche Ansprache für die Teilnahme am Kurs motiviert. Das Bewusstsein für die Bedeutung vorschulischen Lernens wurde bei den Teilnehmerinnen erhöht und ihre eigene Rolle als Vorbild und „erste Lehrerin" des Kindes gestärkt.
Ab Januar 2014 soll der Wirkungsbereich von Family Literacy in Oldenburg vergrößert werden. Anhand der Erfahrungen aus dem Kurs „Lernen in der Familie" werden passgenaue und bedürfnisorientierte Angebote für Eltern und Multiplikatoren entwickelt und durchgeführt. Dabei sollen bereits bestehende Strukturen stärker genutzt werden, z.B. Mutter-Kind-Gruppen in Stadtteiltreffs (Griffbereit, Rucksack), Müttercafe, Alphabetisierungs- und Integrationskurse sowie Kitas. Die Angebote reichen von Informationsveranstaltungen und Gesprächsrunden bis zu Bastel- und Spielprojekten („Wir basteln gemeinsam ein Bilderbuch" und „Komm mit ins Buchstabenland"). Die im Projekt entwickelte Broschüre „Fit für die Schrift / Lernen in der Familie" in leichter Sprache wird bei diesen Gelegenheiten an die Eltern verteilt bzw. an Orten wie Kinderarztpraxen, Frühfördereinrichtungen und Stadtteilbibliotheken ausgelegt. Zusätzlich gibt es Angebote zum Thema Family Literacy für Multiplikatoren: Erzieherinnen, Familienhelferinnen, Sozial- und Heilpädagogen (Workshops, Infoveranstaltungen).


Konzept, Flyer, einen ausführlichen Erfahrungsbericht zum Kurs „Lernen in der Familie" sowie diverse Lern- und Infomaterialien in leichter Sprache finden Sie zum kostenlosen Download unter: http://abc-projekt.de/famlit/