Regionales Grundbildungszentrum Braunschweig

Öffentlichkeitsarbeit

Die ersten beiden Projektjahre 2012 und 2013 haben es dem RGZ Braunschweig ermöglicht, eine stabile und breite Basis im Bereich der Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit aufzubauen. Die Ergebnisse werden insbesondere an zwei Stellen sichtbar:

a) Die dezentralen Lernangebote sind inzwischen fester Bestandteil städtischer Bildungsarbeit. Die nächsten Herausforderungen für das RGZ in diesem Feld stellen sich zum einen bei der kontinuierlichen Einbindung weiterer Kooperationspartner, um Lernorte für dezentrale Angebote aufzubauen. Zum anderen möchten die Mitarbeiter/-innen des RGZ die Botschaft aus dem Evaluationsbericht von Frau Prof. Grotlüschen „Grundbildung ist mehr als Lesen und Schreiben" weiter in die Öffentlichkeit tragen. Immer noch wird der Begriff „Grundbildung" hauptsächlich mit den Fertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen verbunden. In den Gesprächen des RGZ Braunschweig mit Kooperationspartnern wird gern auf die OECD Definition von Grundbildung verwiesen, in der ein wesentlich weiteres Verständnis dieses Begriffs zugrunde gelegt wird: „Grundbildung bezeichnet die Minimalvoraussetzung an Wissensbeständen, Kenntnissen, Fertigkeiten, personalen und sozialen Kompetenzen, die für Orientierung, aktives Handeln und Teilhabe in der Gesellschaft notwendig sind. Grundbildung hat zum Ziel, Menschen durch Lernangebote zu unterstützen, diese Minimalvoraussetzungen zu erwerben bzw. sie zu erhalten. Dies gilt insbesondere für bildungsbenachteiligte und einkommensarme Menschen, die beim Einstieg in das Lernen besondere Unterstützung brauchen. Grundbildung ist vom inhaltlichen Umfang her kein feststehend definierter Begriff, da gesellschaftliche Anforderungen und individuelle Voraussetzungen stetiger Veränderung unterliegen"
Auf dieser Grundlage von gesellschaftlicher Teilhabe basiert die erweiterte inhaltliche Angebotsentwicklung des Braunschweiger RGZ (PC, Englisch, Zeitungsclub, Kulturprojekte usw.)

b) Der zum Ende des ersten Projektjahres gegründete „Initiativkreis Grundbildung" stellt für das RGZ die wichtigste Basis für eine breite Öffentlichkeitsarbeit dar – sowohl finanziell als auch ideell.
Trotz der Leo-Studie, PIAAC-Studie und Medienkampagne ist es nach wie vor noch nicht (ausreichend) gelungen, das Thema „Grundbildung" in der Öffentlichkeit zu etablieren – und dies gilt in mehrfacher Hinsicht:

  • Von den Medien werden gerne Berichte über vermeintlich „echte" Analphabeten veröffentlicht. An Beiträgen über Betroffene auf höheren Niveaustufen besteht häufig kein Interesse
  • Betriebe sind nach wie vor wenig bereit Grundbildungsangebote zu unterstützen (weder ideell noch finanziell), da sie weder einen hinreichenden Bezug täglichen Arbeitsanforderungen noch zur innerbetrieblichen Weiterbildung erkennen können.
  • Die Hürden in der Kommunikation mit Jobcentern durch vorgegebene Vergaberichtlinien der Arbeitsagentur erschweren eine sinnvolle Bildungsarbeit
  • Der Begriff „Grundbildung" ist nach wie vor inhaltlich noch nicht ausreichend definiert. Dementsprechend fehlt eine Verankerung in der breiten Öffentlichkeit
  • Die Betroffenen selbst fühlen sich häufig nicht angesprochen, wenn in den Medien nach wie vor mit dem Begriff „Analphabeten" gearbeitet wird

Das RGZ Braunschweig sieht es weiterhin als eine seiner wesentlichen Aufgaben in 2014 an, das Thema Grundbildung in der Öffentlichkeit stärker zu verankern. Der aus dem RGZ entstandene Initiativkreis hat hier eine wesentliche Unterstützungsrolle, denn alle Beteiligten erfüllen im öffentlichen Raum (Politik, Wirtschaft, Verwaltung) wichtige Funktionen. Da das RGZ von einzelnen Mitgliedern des Initiativkreises in 2014 auch finanziell unterstützt wird, besteht beidseitig ein großes Interesse an Kooperation und Öffentlichkeitsarbeit.